Philipp, hör zu! 
Komödie in drei Akten
POLIZIST     Es geht doch nichts über die Gemütlichkeit.
VATER        Sehr wahr! Sehr wahr!
NACHBARIN    Wie lange wohnen Sie denn schon hier?
MUTTER       Fünfzehn Jahre.
NACHBARIN    (pathetisch)  Fünfzehn Jahre! Und wir sind
             uns noch nie auf der Treppe begegnet.
MUTTER       Philipp, sag doch auch ein Wort!
PHILIPP      (schweigt)
MUTTER       Es ist unhöflich, nichts zu sagen,wenn Besuch da ist 
          
PHILIPP      (schweigt)
MUTTER       Es wird übrigens immer kälter. Als ich
             vor einer Stunde auf unser Thermometer sah, hatte 
             es 0 Grad, jetzt hat es bereits 3 Grad minus.
POLIZIST     (will aufstehen)  Dann muß ich jetzt aber
             gehen.
MUTTER       Bleiben Sie doch. Eine Tasse trinken Sie
             noch bei uns.
POLIZIST     (läßt sich überreden)
MUTTER       (zur Nachbarin)  Sie trinken doch auch
             noch eine Tasse!
NACHBARIN    Ich will aber nicht länger stören.
VATER        Sie stören nicht. Niemand stört hier.
             Fünfzehn Jahre! Und wir sind uns noch
             nie auf der Treppe begegnet.
POLIZIST     (naiv)  Das muß gefeiert werden!
             (zur Mutter)  Aber sehen Sie bitte noch
             einmal nach, wieviel Grad es jetzt hat.


Diese Textprobe ist entnommen aus:

Wolfgang Baur:

Philipp, hör zu!

Komödie in drei Akten

51 Seiten, 12,80 DM

ISBN 3-88410-024-6


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