Mexikanisches Tagebuch
Ich werde einer älteren Indiofrau zugeteilt, die mich schweigend zu ihrer
Hütte führt... Sie bieten mir das Beste, was sie haben: die Hängematte.
Ich arbeite mich hinein, bevor ich aber Arme und Beine zur wohlverdienten
Ruhe strecken kann, schwingt die Matte zur Seite und spuckt mich auf den
Boden, zwischen die Familienmitglieder. Die staunen über meine 
Ungeschicklichkeit und schieben mir etwas Weiches unter, stoßen kleine Schreie aus,
als sie meine Bewaffnung, die Machete, entdecken. Patschhändchen und harte
Arbeitshände gleiten über mich, ertasten meinen Körper. Verwunderung, als
sie meinen BH fühlen. Neugierige Hände bohren einen Finger zwischen die
Gummis. Ein fröhliches Lachen über meine Verpackung. 'Was für eine 
Verschwendung', meine ich ihre Gedanken lesen zu können, und jede und jeder
nimmt sich das Recht, einmal dieses Wunderding und meine Brüste zu betasten.
Sie schnaufen und grunzen vor Vergnügen. Da löst sich meine Verkrampfung,
und ich stimme in ihr Gelächter ein...


Diese Textprobe ist entnommen aus:

Regine Kress-Fricke:

Mein mexikanischer Traum

Grafik von Franz Hitzler; <Edition Jonas>

70 Seiten, 28.- DM

ISBN 3-88410-501-9


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