Deutschland in meinen Augen
Ich will keine Haßtiraden auf die Männer schreiben. Ich liebe Männer, vor
allem meinen Mann.
Obwohl ich auch Frauen liebe. Ich finde sie viel erotischer und in ihren
Gefühlen universal, weil sie verweilen können. Sie breiten sich aus wie
das Meer und der Himmel. Sie versinken in der Wirklichkeit wie in ihrem
eigenen Meer. Sie lassen die Dinge treiben bis zu ihrem naturhaften
Höhepunkt. Das ist das aufregend Tiefe an den Frauen.
Männer sind radikal. Sie haben die Uhr und die Unterbrechung erfunden. Sie
sind unruhig und brechen immer auf. Aber das ist das Aufregende an ihnen.
Sie riskieren etwas. Sie halten sich nicht an die Formen, die sie vorfinden.
Sie erkennen zwar wenig, weil sie die Wirklichkeit durch ihre ausdrückliche
Sonderaktivität des 'Denkens' versperren, aber sie sind so intensiv auf der
Suche, daß sie immer etwas finden. Das gibt Material zum Leben.
Was wäre der Himmel und das Meer ohne Sturm, Regen, Gewitter, ohne auf-
wühlende Bewegung. Was wären die Menschen ohne Risiko, Neuaufbruch, Streit,
Neugierde - Krieg?
Bin ich zu weit gegangen?
Sollten die Männer auf ihrer Suche auch dahin gelangen, ein aufregendes Ding
zu finden, das Friede heißt? Das man einander zuwerfen kann wie einen Ball?


Diese Textprobe ist entnommen aus:

Katharina Ponnier:

Deutschland in meinen Augen

Tagebuch, Pamphlete, Gedichte, kurze Geschichten

Grafik von Franz Hitzler; <Edition Jonas>

128 Seiten, 32.- DM

ISBN 3-88410-502-7


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