Die Geschichte einer Idee

Am 15.Oktober 1986 hörte ich aus dem Bad in unserer Wohnung in der Gartenstraße in München- Schwabing einen tropfenden Wasserhahn, der mich mit seinen wechselnden Rhythmen derart faszinierte, daß mir die Idee kam, daraus eine Komposition zu machen. Ich dachte daran, das Tropfen mit dem Tonbandgerät aufzunehmen und mit verschiedenen anderen Geräuschen in der Art von Pierre Schaeffers „musique concrète&rquot zu kombinieren. Der Plan wurde im Notizbuch festgehalten, aber erst einmal nicht realisiert. Das Leben ist zwar meistens nicht gerade kurz, aber auch ein noch so langes Leben umfaßt immer viel mehr Pläne als das, was dann ausgeführt werden kann. Eine Idee ist schnell formuliert, nur die vom Glück begünstigten Ideen schaffen es bis zur Verwirklichung. Die Idee von der „Wasser Tropfen Musik” hatte Glück. Zunächst schon daher, weil sie im Gedächtnis blieb - so vieles, was in einem Notizbuch steht, wird vergessen, vielleicht gerade, weil man es aufgeschrieben und scheinbar in Sicherheit hat. Und wer, außer Oscar Wilde, nimmt immer sein Notizbuch mit, um etwas Aufregendes zum Lesen zu haben. Warum ich meine Idee zugleich auf deutsch und englisch formuliert habe, kommt wahrscheinlich daher, daß mir das englische „drop” so gut gefallen hat - es stellt das Aufprallen des Tropfens so schön einsilbig dar. Meine „Wasser Tropfen Musik” kann zum Meditieren anregen oder bei den verschiedensten Formen von Entspannung als Begleitung dienen, vielleicht wird sie auch als witzig empfunden; für mich jedenfalls war Meditation und Witz nie ein Gegensatz. Meine Idee und ich haben Glück gehabt.

Wolfgang Baur, September 2006