"...und vergiß den Drachen nicht!"
Ich merkte es schon beim Nachhauseweg: wir mußten mal wieder weg!
Weg aus dieser kleinen, dichten Landschaft mit ihren zerfallenen 
Kaminschloten, die langsam ganz und gar vom Efeu befallen wurden. Immer,
wenn ich gerade dabei war, alles zu genießen und ganz besonders
den  Duft  des  Frischgebackenen  einsog  (denn  die  alten  Fabriken
wurden schon lange nicht mehr zu dem Zweck genutzt, zu dem sie
erbaut worden waren), wurde mir klar, daß wir weiterziehen mußten.
Ich wage nicht mehr zu erzählen, wie oft dies nun schon geschehen war.
Instinktiv also verlangsamte ich meinen Schritt, glich
ihn dem Tempo der an mir vorbeigleitenden Libellen an und steuerte
schließlich meinen Platz an der Lichtung an, von wo aus ich das
quirlige Treiben unten im Tal ungestört genießen konnte (inzwischen
hatte auch die Sonne ihre letzten rot-warmen Strahlen ausgefahren,
die mir das Gesicht kitzelten). Ich schmunzelte, als ich mir die hektischen,
kleinen Zwerge vorstellte, deren Aufgabe es nun war, das
Brot zu backen, und denen es dabei nie schnell genug gehen konnte.
Kaum zu glauben, wie sehr sie mir inzwischen ans Herz gewachsen waren.


Diese Textprobe ist entnommen aus:

Günther Wilhelm:

"...und vergiß den Drachen nicht!"

Traumerzählung

Farbig illustriert von Vicky Roberts

18 Seiten, 18.- DM

ISBN 3-88410-049-1


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